Vorträge Studienwoche 2026
Kommunikation in Zeiten der Sprachlosigkeit
in Deutschland, der EU und weltweit
Vortrag 1
Prof. Dr. Jürgen Manemann
Prof. Manemann studierte in Münster Katholische Theologie. 1997 und 2011 war er Coolidge-Fellow der Association for Religious and Intellectual Life in America an der Columbia University/New York. 2008 war er Gastprofessor an der Dormitio-Abtei in Jerusalem. Er arbeitet an einer Human-Ökologischen Politikethik und beschäftigt sich mit Fragen der Umweltphilosophie, und Fragen zu neuen Demokratie- und Politiktheorien. Wir freuen uns auf seinen Einführungsvortrag zu unserer Studienwoche.
Vortrag 2
„Die Macht der Sprache“
Gert Pickel
Pickel ist Soziologe und Politikwissenschaftler. Seit 2009 hat er die Professur für Kirchen- und Religionssoziologie an der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig inne. Er ist verheiratet mit der Politikwissenschaftlerin Susanne Pickel, mit der er auch gemeinsam publiziert.
Uns interessiert, wie insbesondere das politisch rechte Spektrum, sich den christlichen Sprachgebrauch aneignet. Was sie sich davon versprechen und was das mit uns macht.
Vortrag 3
“Die KI diskutiert mit mir!”
Anton Hansen
Hansen ist Medienwissenschaftler (Research Master of Arts in New Media and Digital Culture) mit Schwerpunkt digitale Kommunikation und Forschung. Er beschäftigt sich mit KI, Desinformation, Medienethik und Öffentlichkeitsarbeit mit dem Ziel, komplexe Themen verständlich zu machen und gesellschaftlichen Wandel mitzugestalten.
Künstliche Intelligenz prägt zunehmend, was wir in den sozialen Medien sehen, lesen und glauben. Damit verschiebt sich ein grundlegendes Prinzip digitaler Öffentlichkeit: Soziale Medien waren ursprünglich Orte menschlicher Selbstdarstellung und direkter Kommunikation, werden nun aber zunehmend zu Räumen automatisierter Interaktion. Die Grenze zwischen authentischer Erfahrung und maschinell generiertem Ausdruck verschwimmt.
Diese Entwicklung eröffnet einerseits neue Möglichkeiten demokratischer Teilhabe, andererseits droht eine Entwertung menschlicher Kreativität und eine Überflutung mit standardisiertem KI-Content, der Aufmerksamkeit und Vertrauen zersetzt. In Deutschland stellt sich dabei besonders die Frage, wie sich die digitale Öffentlichkeit verändert, wenn politische und gesellschaftliche Diskurse zunehmend von nicht-menschlichen Akteuren mitgeprägt werden. Kann ich mit der KI diskutieren oder führt sie mich in eine beredte Sprachlosigkeit?
Vortrag 4
“Kriegstüchtigkeit und Grundrechte”
Dr. Stefan Luft
Stefan Luft ist Privatdozent am Institut für Politikwissenschaft der Universität Bremen. Er ist gemeinsam mit Sandra Kostner Herausgeber des jüngst erschienenen Bandes „Ukrainekrieg. Warum Europa eine neue Entspannungspolitik braucht.“ (Westend Verlag).
Angesichts der gegenwärtigen Weltlage wollen wir mit Dr. Luft die von der Politik geforderten sog. „Kriegstüchtigkeit“ diskutieren. Er warnt, dass westliche Demokratien im Namen der „Kriegstüchtigkeit“ in eine Logik abrutschen, die Kritik delegitimiert, Grundrechte einschränkt und damit selbst inhuman wird. Auch die Rolle der Medienberichterstattung über den Krieg in der Ukraine – und jetzt gegen den Iran – wird kritisch zu betrachten sein.
Vortrag 5
„Mit Nazis reden?!“
Simone Rafael
Simone Rafael ist Journalistin und Kunsthistorikerin mit dem Schwerpunkt digitaler Rechtsextremismus und Netzpolitik. Sie arbeitet als Kommunikationsmanagerin und ist Co-Projektleiterin des Monitorings zur Bundestagswahl 2025. Zuvor hat sie unter anderem den Digitalbereich der Amadeu Antonio Stiftung aufgebaut, die „Mut gegen rechte Gewalt“ stärkt.
Sie arbeitet an Ideen für eine digitale Zivilgesellschaft und gegen Rechtsextremismus und ist Mitglied der Task Force „Umgang mit Hate Speech“.
„Ein ganz klares Nein – mit Neonazis redet Simone Rafael nicht. Solange die nur pöbeln, bedrohen und niederschreien wollen. Allerdings argumentiert sie gegen ihre Positionen.“
Vortrag 6
„Die Notwendigkeit von Toleranz angesichts der Sprachlosigkeit im interreligiösen Dialog nach dem 7. Oktober 2023“
Dr. Michael Schober
Dr. Michael Schober ist als Beauftragter für interreligiösen Dialog des katholischen Bistums Osnabrück sowohl im jüdisch-christlichen wie im christlich-islamischen Dialog unterwegs.
Nach dem 7. Oktober 2023 ist dies zu einem spannungsreichen Unterfangen geworden, das an einigen Stellen zur Sprachlosigkeit geführt hat. Der promovierte Friedensethiker, der neben der Kath. Theologie auch Germanistik und Politikwissenschaft studiert hat, analysiert die prekäre Lage aus der Perspektive eines im interreligiösen Dialog Aktiven, der die gewachsene Verbindung zu seinen jüdischen wie zu seinen muslimischen Gesprächspartner*innen gleichermaßen wahren möchte.