2019

Vorträge Studienwoche 2019

Ein Überblick der Vorträge

Vorwort Vorträge 2019

Kommunikation.0 – Die Welt ist voller Lösungen

Mit wachsender Einsicht gilt unsere Aufmerksamkeit  in den Seminarwochen der IAKM  Perspektiven, die in die Zukunft weisen sollen, aber zugleich die individuellen und kollektiven Problemlösefähigkeiten auf eine harte Probe stellen. Die Zukunft hat ihre Strahlkraft als mächtiger Attraktor eingebüsst, ist zu einem Gegenstand der Sorge und Vorsorge geworden. Auch diese gutgemeinte Intention hat ihre Tücken, kennen wir doch die Randbedingungen zu Ungenüge, unter denen wir in die Zukunft stolpern. In Politik, Wirtschaft Alltagspraxis ist derzeit noch der Retromodus angesagt, als würde es ewig gut weitergehen. So finden Lösungen, die unseren kurzfristigen Interessen entgegenstehen, zumeist kein breites Echo. Die gesellschaftliche Kommunikation ist in großen Teilen immer noch in eine trügerische Normalwelt eingesponnen, der Mainstream geblendet von lebensweltlichen Befindlichkeiten und Illusionen, Halbwahrheiten und Leugnungsenergien. Was kann da Kommunikation leisten? Welche Kommunikationsformen tragen möglichst schnell und wirksam zu einem intensiveren `consciousness raising´ bei, unterbrechen den Retromodus!? Unser Thema !

mehr ... von Dr. Wolfgang Tinnefeldt

Der Philosoph Peter Sloeterdijk hat das Dilemma von Problemen und ihren Lösungen unlängst auf den Punkt gebracht, als  er schrieb: “Es werden ständig mehr soziale, technische und psychologische Probleme entdeckt und erfunden, als sich durch die Problemlösungsfähigkeit der lebenden Generationen bewältigen lassen.“ Ständig d.h., heute schon und zwar mehr als uns lieb ist. Dieser nüchterne Blick auf ein gesamtgesellschaftlich unzureichendes Zukunftsmanagement wird von dem Soziologen Andreas Reckwitz in seiner Untersuchung „Die Gesellschaft der Singularitäten“ an die Zeitstruktur der spätmodernen Gesellschaft gekoppelt, „die (sowohl) was ihre sozialen Felder und Lebensformen betrifft, grundsätzlich an der Gegenwart orientiert ist, so dass jene Zukunftsbearbeitung, wie sie für eine Fortschrittsgesellschaft charakteristisch ist,`zurückgebaut´wird. In der Spätmoderne herrscht ein radikales Regime des Neuen, das zugleich momentanistisch ist, sich also nicht an langfristiger Innovation und Revolution orientiert, sondern an der Affektivität des Jetzt.“ Zwei skeptische Stimmen, die uns begleiten, wenn wir uns in den Vorträgen und Werkstätten 2019 ausgewählten Zukunftsfragen und den heute schon sich abzeichnenden Antworten ,Entscheidungsblockaden und drohenden Konfliktzonen zuwenden. Die Bandbreite der Perspektiven wird so groß sein, dass wir alle unserem `Gedankengeschäft´(Kant) nachgehen können.

Was wir- leider – auch danach nicht wissen werden: ob wir in einer scheiternden, in einer sich verändernden oder verschwindenden Welt leben werden. Die dominante `Affektivität des Jetzt´ wird von dem jüngst verstorbenen Roger Willemsen durch eine  ganz  andere, sehr affektive Betrachtungsweise ersetzt, wenn er schreibt: „Nur selten versuchen wir, uns im Blick jener zu identifizieren, die nach uns kommen und an uns verzweifeln werden.“?! So sind wir auch bei der nächsten Zusammenkunft getrieben von dem Wunsch, Bezugspunkte für ein wirklich kluges und nachhaltiges Leben und Handeln zu entdecken, zugleich aber auch die Erwartungen zu artikulieren, die wir an zukunftsbezogene, innovative  Kommunikationsformen richten.

Dr. Wolfgang Tinnefeldt

 „Die Helden der Meere“.

Eine Filmdokumentation über unsere Ozeane, ihre Probleme und die Menschen die uns ein Vorbild sein sollten, diese zu lösen.

Klimawandel und Plastikmüll sind nur zwei der vielen Faktoren, die einen enormen Einfluss auf alles Leben in unseren Meeren und somit auch auf uns haben.In 2017 hat dieses Vorhaben mein Team und mich bereits auf den Atlantik und den Indischen Ozean geführt. An der Seite der Umweltschutzorganisation „Sea Shepherd“ kämpften wir gegen illegale Fischerei und halfen Andrew Hewett beim Säubern seiner Korallenaufzuchtstationen in den zerstörten Riffen der Andamanensee. Wir haben Wissenschaftler bei ihrer Arbeit in Tanzania begleitet und Umweltschutzorganisationen in Norwegen auf der Suche nach den verschwundenen Orcas. 2018 werden wir weitere Forschungsstationen und Schiffe im Pazifischen Ozean und den Polarregionen besuchen. Ein weiterer „Held“ wird auch David Katz von „Plastic Bank“ sein, dessen erfolgreichen Kampf gegen die Plastikverschmutzung wir auf Haiti dokumentieren werden. Und gerade weil wir diese Lösungswege heute mehr denn je brauchen, soll unsere Dokumentation die „Helden der Meere“ und Ihre Arbeit beleuchten. Aktivisten, Wissenschaftler und Vordenker, die mit ihrem Einsatz und ihren Ideen Möglichkeiten eröffnen, wie wir die Ozeane vielleicht noch retten können.

York Hovest

Wenn Du in Deinem Leben die einmalige Chance erhältst, die Probleme unserer Welt einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten, wird dies Deine Art zu denken ändern. So ist es auch mir ergangen, als ich vor einigen Jahren seiner Heiligkeit, dem Dalai Lama ein ganz besonderes Versprechen gegeben habe. Seit dem versuche ich meine Erfahrungen mit den Menschen zu teilen, ihre Aufmerksamkeit auf die schwierigen Themen unserer Welt zu lenken und etwas Positives zu bewegen!

Sabine Streich

produziert Corperate-Videos und Lern- und Erklärfilme für namhafte Unternehmen. Darüber hinaus berät und qualifiziert sie Unternehmen, das Medium Video für Marketing und die Interne Kommunikation kreativ einzusetzen. Sie ist Gründerin des Medienverbundes „Feines Netzwerk“ und hat ein Diplom in Kunst und einen MA of „Digital Pioneering “. Sabine Streich hat eine umfangreiche Erfahrung in der Multimedia-Produktion von Filmen für in- und ausländische TV-Sender und Unternehmen und gibt seit Jahren ihr Wissen als Videojournalistin und Dozentin an verschiedenen journalistischen Akademien weiter

„Sind wir noch zu retten? -Überlegungen im Grenzbereich von Digitalisierung und Ressourcenwende“

Die Menschheit verbraucht mehr Ressourcen als die Erde regenerieren kann – der Schuldenberg gegenüber der Natur wächst stetig. Dass es nicht weniger als eine gesellschaftliche Transformation braucht, daran kann kaum noch ein Zweifel bestehen. Auch bei jedem Einzelnen ist mittlerweile angekommen, dass das nicht zu schaffen ist, ohne die persönliche Komfortzone zu verlassen. Doch wie kommen wir vom Wissen zum Handeln? Sind von der technologischen Revolution geeignete Handlungshilfen zu erwarten? Überlegungen im Grenzbereich von Digitalisierung und Ressourcenwende.

Nora S. Stampfl,

studierte Wirtschaftswissenschaften an der Johannes Kepler Universität Linz, Österreich und der Goizueta Business School der Emory University, Atlanta, Georgia, USA. Nach beruflichen Stationen in den USA sowie langjähriger Tätigkeit im Consulting bei PricewaterhouseCoopers und IBM gründete sie 2010 f/21 Büro für Zukunftsfragen (www.f-21.de) und ist seitdem als Zukunftsforscherin, Organisationsberaterin und Publizistin dem gesellschaftlichen Wandel auf der Spur. Arbeitsschwerpunkte sind die Begleitung von Foresight-Prozessen, Zukunftsgestaltung, Organisationsstrategie und  -innovation. Nora S. Stampfl lebt und arbeitet in Berlin.

Schneller besser – einfach anders – Klare Entscheidungen in digitalen Zeiten

Neues Jahr, neues Glück. Wer kennt sie nicht? Die Neujahrsvorsätze. Wussten Sie, dass gerade einmal 15% davon Mitte Januar überdauern? Warum sind mache unserer Vorhaben sehr erfolgreich, warum scheitern wir mit anderen, im Unternehmen wie auch privat? Warum sind manche Menschen erfolgreicher als andere? Was macht sie erfolgreich? Was hat Sie ganz persönlich erfolgreich gemacht? Die Menschen und Unternehmenagieren nachhaltig und treffen klare Entscheidungen unter Unsicherheit – auch in digitalen Zeiten. Hier sind sich Wissenschaft und Praxis einig – Intelligenz, Ausbildung, Erfahrung und vor allem emotionale Intelligenz (emotionale und soziale Kompetenzen) sind die wesentlichen Erfolgsfaktoren. Emotionale Intelligenz  beeinflusst nachhaltig die Zusammenarbeit auf Führungsebene, im Team und mit Mitarbeitern sowie die Beziehung zu Kunden und Lieferanten. Emotionen sind konzentrierte Erfahrungen.Oder auch hochverdichtete Gedankenprozesse. Sie sind in unserem emotionalen Erfahrungsgedächtnis (limbisches System), dem ältesten Teil des menschlichen Gehirns, verankert. Das ist harte biologische Realität. Emotionale Intelligenz macht laut der Harvard Universitybis zu 90% unseres Erfolgs aus. Und das Beste daran? Sie ist trainierbar!Die Fähigkeit des Gelingens, frei nach dem Motto: „Dran bleiben, vor allem wenn es schwerfällt“, erfordert Ausdauer und Anstrengung.

Uwe G. Riedel

Mittelpunkt meiner Tätigkeiten ist immer der Mensch, als Individuum oder im Team und seine Einbindung in Veränderungsprozesse. Als Mediator unterstütze ich dabei in Konfliktsituationen. Meine Praxiserfahrung habe ich als Managing Partner in einer globalen Prüfungs-und Beratungsgesellschaft und im Top Management inüber 50 Ländern gewonnen. Ich bin Gründer von zwei2eins und anerkannter Experte für Strategieentwicklung, Change Management, Führungskräfteentwicklung und Gesundheit. Ich bin TÜV zertifizierter Gesundheits- und Risikomanager. Meine Tätigkeiten übe ich auch in Englisch und Spanisch aus.

„Den Osten verstehen?“

Den Osten verstehen– so eine Frage könne nur ein Wessi stellen, sagt Stephan Dorgerlohs jüngerer Bruder Sebastian in einem Interview, das die ZEIT mit den drei Dorgerloh-Brüdern aus Anlass des 29. Jahrestages des Mauerfalls führte und am 8. November 2018 in der Ausgabe 46/2018 veröffentlichte. Stephan erwähnt dort Geschichten von Demütigungen und Zurücksetzungen aus den frühen 1990er-Jahren, die mit verantwortlich seien für den spürbaren Rechts-Ruck im Osten und den Zulauf zu Populisten. Der rasche Übergang von einer realsozialistischen Diktatur zu einem System, das nun nicht gleich durch Wertschätzung und Anerkennung ihrer Lebensleistung auffiel, wirke bis heute nach, ja komme manchmal erst jetzt richtig hoch, sagt der Pfarrersohn und ex-Kultusminister des Landes Sachsen-Anhalt, der zu uns in die IAKM-Studienwoche kommt, um genau darüber zu reden. Seine Biografie ist sicher nicht typisch für das Leben in (und nach) der DDR (wir verkörpern zumindest die Generation, die von der Friedlichen Revolution profitieren konnte– ZEIT), aber es ist eine wichtige Perspektive auf dieses Leben, die zudem gewisse Relativierungen festgeglaubter Klischees erlaubt. Im Gespräch mit uns wird es ohnehin weniger um die Analyse und Bewertung dessen, was war, gehen, sondern mehr um den Blick nach vorn – um die Wege, die wir gemeinsam finden müssen, um die Möglichkeiten, aus unseren Fehlern zu lernen, und um die Lösungen, die nicht verordnet, wohl aber gesucht und erprobt werden können, auch wenn sie uns unbequem erscheinen. Oder gerade deshalb…

Für Interessenten zum Weiterlesen: https://www.zeit.de/2018/46/mauerfall-9-november-ostdeutschland-pfarrersoehne-identitaet-bildung

Stephan Dorgerloh

wurde 1966 in Ostberlin geboren. Nach einer Berufsausbildung mit Abitur und dem Dienst als Bausoldat bei der Nationalen Volksarmee der DDR studierte er von 1987 bis 1993 Theologie an der Universität Rostock sowie der Humboldt-Universität Berlin. Sein Vikariat absolvierte er u. a. in Chicago. Danach stieg er zunächst in die evangelische Jugendbildung ein und leitete von 2000 bis 2008 in der Lutherstadt Wittenberg die Evangelische Akademie. Im Auftrag des Landtages von Sachsen-Anhalt führte er von 2007 bis 2010 den Vorsitz im Bildungskonvent. Von 2011 bis 2016 war das SPD-Mitglied Kultusminister einer schwarz-roten Koalition in Sachsen-Anhalt; 2013 hatte er die Präsidentschaft der Kultusministerkonferenz inne. Heute führt Stephan Dorgerloh in Berlin eine Beratungsagentur für Bildungsfragen und bekleidet zahlreiche Ehrenämter.

Fetisch Gesundheit: Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der Gesündeste im ganzen Land?

Medizin und Märchen haben ein merkwürdiges Verhältnis miteinander. Die menschliche Frage nach Sinn am Leben und Leiden wohnt in beiden. Wäre die eine doch so gerne Wissenschaft und die andere so gerne Wahrheit, so sind sie beide doch nur Aggregate: Die erste eines von Erkenntnissen und die zweite eines von Erfahrungen. Und manchmal tauschen sie auch Plätze und Rollen. Die Medizin ist in ihrer interessens-getriebenen Ausdeutung und ihrem strukturellen Selbstverständnis das größte Märchen für Menschen ob krank oder gesund. Es wächst sich aus zum kol-lektiven Traum der Unsterblichkeit. Ein Fetisch für Rei-che und vom Leben Gelangweilte, nimmt sie religions-gleicher Züge an in Gestalt und Vokabular und ver-wischt gleichzeitig die Grenzen: Heilungsversprechen, Heiler und Heiland: Wir beugen unsere Knie im Fit-nessstudio, bauen Kliniken und keine Kathedralen und beten im Badezimmerspiegel, dem Triptychon der Mo-derne, den Mittelpunkt unserer persönlichen Existenz an: Uns selbst in entrückter Überhöhung: Ecce Deus. Nichts steht mehr fest, außer einem Gott, den ich nach meinem Ebenbild schaffe.

Dr. med. Tobias Gantner

studierte Human-medizin, Philosophie, (Gesundheits)Ökonomie und Rechtswissenschaften in Deutschland, der Schweiz, der VR China sowie den USA. Nach seiner Assistenzarztzeit in der Chirurgie arbeitete er in Führungspositionen bei mehreren DAX Konzernen und internationalen Unternehmen der Gesundheitsbranche. Er ist Gründer und Geschäftsführer der Health Care Futurists GmbH. Sein Interesse gilt patientenzentrierter Innovation im Gesundheitswesen in systemischer, politischer und technologischer Hin-sicht und der daraus resultierenden Veränderung von Geschäftsmodellen insbesondere unter dem Ge-sichtspunkt der digitalen Transformation des Gesund-heitswesens.

http://cologne.innovate.healthcare

„Sind Roboter die besseren Menschen – Künstliche Intelligenz und Moral“

Unsere digitalen Diener werden immer intelligenter. Nicht nur, dass sie uns beim Autofahren demnächst das Steuer ganz real aus der Hand nehmen werden. Viele von uns kommunizieren mit einem unscheinbaren Zylinder namens Alexa mittlerweile vielleicht intensiver als mit ihrem Partner oder ihrer Partnerin. Der im März 2018 verstorbene Stephen Hawking erwartet, dass die Maschinenintelligenz die menschliche Intelligenz in absehbarer Zeit stärker übertreffen wird als momentan unsere Geisteskraft diejenige von Schnecken.
Und dann? Was wird das immense Weltwissen der elektronischen Gehirne für uns selbst bedeuten? Werden sie uns überhaupt noch ernst nehmen und wenn ja: Werden wir mit ihnen dann über Gott und die Welt räsonieren und was werden wir ihnen über unsere Religionen erzählen? Jesus ist für die Sünden der Menschen gestorben: wirklich nur für die Menschen oder nicht auch für möglicherweise fehlerhaft programmierte Roboter? Allah hat ein Bilderverbot ausgesprochen: hätte er anders gehandelt, wenn er schon die allgegenwärtigen Selfies gekannt hätte? Zen-Meditation: Ist das nicht so ungefähr dasselbe wie der Ruhe-Modus bei jedem x-beliebigen Notebook?
Die Frage stellt sich immer drängender: Müssen wir angesichts der sich immer rasanter entwickelnden Künstlichen Intelligenz unsere Philosophie und Theologie überdenken? Muss Leben immer auf DNA basieren oder reicht auch ein digitaler Quellcode? Und was ist mit Gott: Wird der Begriff ‚deus ex machina‘ bald eine ganz neue Bedeutung bekommen?

Uwe Bork

studierte an der Universität Göttin-gen Soziologie, Wirtschafts- und Sozialpolitik, Verfassungsgeschichte, Pädagogik und Publizistik. Nach dem Studium arbeitete Uwe Bork zunächst als freier Journalist für verschiedene Zeitungen, Zeitschriften und ARD-Anstalten. Bis 2016 Leiter der Fernsehredaktion ‚Religion, Kirche und Gesellschaft’ des Südwestrundfunks in Stuttgart. Für seine Arbeiten wurde er unter anderem mit dem Caritas-Journalistenpreis sowie zweimal mit dem Deutschen Journalistenpreis Entwicklungspolitik ausgezeichnet.

„Kommunikation.0 – Die Welt ist voller Lösungen“

Markus Gießler Stadtverwaltung Bautzen
Kevin Bauch, „Coma“ Klima-Aktivist von Fridays for Future 

Wir in Bautzen

Durch die Flüchtlingsbewegung ab 2015, wurde auch Bautzen vor Herausforderungen gestellt. Es gibt viele Vereine und Menschen, die sich für Geflüchtete einsetzen und helfen, das Zusammenleben zu erleichtern. Gleichzeitig gibt es aber auch die ewig Gestrigen, die sich vor Überfremdung und „Islamisierung“ fürchten. Klar ist, dass dies vor allem für die Menschen im Osten ein Lernprozess darstellt, neue Kulturen zu akzeptieren und vor allem Neues nicht als Gefahr, sondern als Chance zu sehen. Gerade die bei uns in Bautzen als hidden Champion anzusehende IT-Branche kann ohne Fachkräfte nicht leben. Wir brauchen deshalb integrationsfähige Zuwanderung.

Wenig hilfreich ist die mediale Berichterstattung über Bautzen (aber auch allgemein über Sachsen und den Osten), die immer noch gekennzeichnet ist von dem furchtbaren Begriff „Dunkeldeutschland“. Mitnichten trifft dies zu. Bautzen hat viel zu bieten und ist ein Musterbeispiel für Aufschwung Ost. Wir sind schuldenfrei, haben eine fast komplett sanierte Altstadt und vieles mehr. Aber wir müssen – in den Kommunen wie im Bund – lernen, andere Meinungen zu akzeptieren, auszuhalten und ordentlich miteinander zu diskutieren. Vorverurteilungen, Gutmenschen- und Nazikeulen, Sachsenbashing, Ost-Westvergleiche und dergleichen bringen uns nicht weiter.

Und abschließend eine Herzensangelegenheit meiner Generation: Europa ist die Antwort, nicht das Problem. Lassen wir es uns nicht von alten weißen Männern und Frauen wegnehmen.

Markus Gießler

Der gebürtige Bautzener studierte an der Technischen Universität Dresden Politikwissenschaften, Soziologie und Verfassungsrecht. Nach dem Studium und Zwischenstationen im Sächsischen Landtag sowie als 2. Geschäftsführer der Europäischen Bewegung Sachsen e.V., kehrte er in seine Heimatstadt zurück. Als Referent des Oberbürgermeisters Alexander Ahrens (Bautzen) ist er für die kommunalpolitische, strategische und gesellschaftliche Gesamtplanungen der Stadt zuständig. Außerdem ist er Beauftragter für die sorbische Kultur, Vereine und Vereinsförderung, Städtepartnerschaften und den Oberzentralen Städteverbund Bautzen – Görlitz – Hoyerswerda. Markus Gießler ist weiterhin Präsidiumsmitglied der Europäischen Bewegung Sachsen e.V. und der Arbeiterwohlfahrt Bautzen.

Kevin Bauch, „Coma“

Ich bin 23 Jahre alt und ausgebildeter Physiklaborant. Um später noch studieren zu können, besuche ich gerade eine Fachschule, an der ich zum Techniker für Elektrotechnik weitergebildet werde.
Schon seit einigen Jahren beschäftige ich mich mit den Schäden, welche die momentane Handlungs- und Wirtschaftsweisen der Menschen anrichten. Von allen Bedrohungen halte ich die Klimakrise für die dringlichste. Mit Fridays For Future haben wir die einmalige Gelegenheit, diese Krise noch zu verhindern. Die Frage, die sich die Gesellschaft dabei stellen muss, ist folgende: Wollen wir dieses Problem mit Technologie lösen, oder müssen wir unsere Handlungs- und Wirtschaftsweisen ändern?
Handlungen fangen aber auch im Kleinen an. Durch Stadtgestaltungsworkshops und eigene Projekte wollen wir in Dresden unsere Zukunft selbst in die Hand nehmen. Vielleicht schaffen wir es dann, dass sich diese handlungsorientierte Selbstorganisation auch global über alle Altersschichten hinweg ausbreitet.
Trotzdem brauchen wir eine Veränderung der politischen Rahmenbedingungen und solange sich da nichts tut, werden wir weiter streiken.