2020

Vorträge Studienwoche 2020

Ein Überblick der Vorträge

Wegen der aktuellen Situation fällt die Studienwoche 2020 leider aus. Wir freuen uns auf das nächste Jahr. 

Vorwort Vorträge 2020

(Digitale) Selbstoptimierung – Die Suche nach dem perfekten „Ich“

 

Pro und Contra Selbstoptimierung ein Streitgespräch mit

 

Enno Park: Sich zu verbessern, ist elementar

Praktiken der Selbstoptimierung haben nicht nur in den westlichen Kulturen eine lange Tradition. Egal ob Sport, Bildung oder Spiritualität:

Stetig an sich selbst zu arbeiten wird nicht nur als gesellschaftliche Norm, sondern sogar als anzustrebendes Ideal empfunden. In diese Tradition reihen sich die neuen, digitalen Praktiken der Selbstoptimierung ein, etwa wenn wir Körpermesswerte überwachen oder Schritte zählen. Aufklärung ist – so Immanuel Kant – der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Und nichts anderes als Aufklärung ist es, Daten über sich selbst zu sammeln und daraus Schlüsse für das eigene Handeln zu ziehen. Allerdings steckt im Wort „Selbstoptimierung“ auch eine zu debattierende Frage: Was ist eigentlich das Optimum und wer legt es fest?

Und Steve Ayan ‚Die Dosis macht das Gift‘

Der Wunsch nach Selbstoptimierung, ob digital oder analog, ist zunächst einmal sehr verständlich. Jeder nicht-depressive Mensch möchte in allen möglichen Hinsichten besser werden, seine Potenziale ausschöpfen, mehr Erfolg haben oder mehr Glück empfinden. Unsere Gesellschaft und unser Wirtschaftssystem beruhen maßgeblich auf diesem stetigen Verbesserungsdenken. Heute liegt es allerdings oft ausschließlich in der Verantwortung des Einzelnen, dafür zu sorgen, dass „es“ besser wird. Wobei mit „es“ beinahe alles gemeint sein kann: das Gedächtnis, die Schlagfertigkeit, die Belastbarkeit, die Empathie für andere, die Fähigkeit andere zu frühen, zu überzeugen oder sich selbst zu motivieren etc. Ob Karriere, Partnerschaft oder persönliche Zufriedenheit, alles scheint eine Frage der eigenen mentalen Einstellungen, des Know-hows und des persönlichen Bemühens zu sein.

Allerdings hat dieser Versuch der Selbstoptimierung häufig Nebeneffekte, die zum Teil genau das Gegenteil des Erhofften bewirken. Paradoxerweise ist der beste Versuch der Selbstoptimierung häufig gerade der, es damit gerade nicht zu übertreiben. Der Psychotherapeut Carl Rogers sagte einmal: „Erst wenn ich mich so akzeptiere, wie ich bin, kann ich anfangen, mich zu verändern.“

Enno Park

Wirtschaftsinformatiker und Publizist machte eine radikale Technikerfahrung: Nach mehr als 20 Jahren am Rande der Gehörlosigkeit erhielt er durch ein Cochlea-Implantat sein Gehör zurück. Das Implantat und somit sein Gehör ist zugleich Körperteil und programmierbarer Computer. Seither beschäftigt Park sich mit technikphilosophischen Fragen rund um das Verhältnis von Mensch und Technik, etwa ob ihn ein solches Implantat zum Cyborg macht oder das schon der Fall ist, wenn wir alle Mobiltelefone bei uns tragen. In etlichen Publikationen, Vorträgen sowie TV- und Radiobeiträgen spürt Park unserem Verhältnis zur Technik nach und kommt zum Ergebnis: Technik ist die Natur des Menschen.

Steve Ayan,

geb. 1971 in Berlin, hat Psychologie und Literaturübersetzen in Düsseldorf, Neapel und Reading (GB) studiert. Nach einigen Jahren als freier Übersetzer und Lektor absolvierte er das Aufbaustudium Wissenschaftsjournalismus an der FU Berlin. Seit 2003 arbeitet er als Redakteur beim Magazin „Gehirn&Geist“ aus dem Verlag Spektrum der Wissenschaft in Heidelberg. Ayan ist Autor mehrerer Sachbücher, darunter zuletzt „Ich und andere Irrtümer – Die Psychologie der Selbsterkenntnis“ (Klett-Cotta, 2019) sowie Herausgeber des Sammelbands „Rätsel Mensch“ (Springer, 2017) mit Beiträgen zur Neurophilosophie und Bewusstseinsforschung.

Der perfekte Mensch. Zukunftsutopien im Spiegel der Religionsphilosophie

Erfolgsmeldungen aus dem Bereich der Articifial Intelligence, der Robotik oder der modernen Medizintechnologie sorgen gegenwärtig immer wieder für Sensationsmeldungen. Biologische, kognitive und soziale Defizite könnten – so wird suggeriert – durch gezielte manipulative Eingriffe mehr und mehr überwunden werden. Die neuen technischen Möglichkeiten scheinen den perfekten Menschen in greifbare Nähe zu rücken. Doch wie realistisch sind diese Szenarien? Und: Was lässt sich aus der Perspektive des Gläubigen dazu sagen?

Claudia Paganini

hat Philosophie und Theologie an den Universitäten Innsbruck und Wien studiert. Nach einer Promotion in Kulturphilosophie 2005 widmete sie sich in ihrer Habilitationsschrift, für die sie 2018 mit dem Pater Johannes Schasching SJ-Preis ausgezeichnet wurde, der Medienethik. Weitere Forschungsschwerpunkte sind Medizin-, Tier- und Umweltethik. Derzeit lehrt und forscht Paganini als Vertretungsprofessorin an der Universität Erfurt, in den vergangenen Jahren war sie als Gastdozentin an den Universitäten von Mailand, Athen und Zagreb tätig. Sie ist Mitglied der Ethikkommission der Medizinischen Universität Innsbruck (MUI) sowie der Kommission für Tierversuchsangelegenheiten des österreichischen Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung in Wien. 

 

Freedom!

Schwarze Musik und weiße Politik

Deutsche Protestsongs waren eher dröge Deklamationen zu Gitarrenbegleitung: Franz-Josef Degenhard war nun einmal kein begnadeter Shouter.

Ganz anders dagegen die Dinge in Amerika: Wenn Aretha Franklin nach Respect verlangte oder sie mit Think zu eigenem Denken aufforderte, ging das auch in die Beine. Curtis Mayfield wollte mit Move On Up dafür sorgen, dass sein Publikum seinen Arsch nicht nur zum Tanzen hochbekam und James Brown ließ unmissverständlich skandieren Say it loud: I’m black and Im proud! 

Blues, Funk und Soul: die Botschaft vom besseren Leben, die aus dem Lautsprecher kommt. Bitte einsteigen zu einer unterhaltsam-informativen Reise in eine Zeit, in der selbstbewusste Schwarze mit neuen Tönen auf alte Unterdrückung antworteten. 

Uwe Bork

studierte an der Universität Göttin-gen Soziologie, Wirtschafts- und Sozialpolitik, Verfassungsgeschichte, Pädagogik und Publizistik. Nach dem Studium arbeitete Uwe Bork zunächst als freier Journalist für verschiedene Zeitungen, Zeitschriften und ARD-Anstalten. Bis 2016 Leiter der Fernsehredaktion ‚Religion, Kirche und Gesellschaft’ des Südwestrundfunks in Stuttgart. Für seine Arbeiten wurde er unter anderem mit dem Caritas-Journalistenpreis sowie zweimal mit dem Deutschen Journalistenpreis Entwicklungspolitik ausgezeichnet.

Optimierung und Veränderung in Organisationen: schneller, besser und erfolgreich oder kontemplativ, beschaulich und pleite?

Teil 1

Die Verbesserungs- bzw. Veränderungsprogramme sind für manche Unternehmen fast zum Dauerzustand geworden. Der Prozessverbesserung folgt das Change Projekt, an das sich eine Restrukturierung anschließt, die aber kurz danach in einer Umorganisation endet, bei der eine neue Führungskraft kommt, die dann auch noch neue Technologien implementiert. Dauermarathon mit Zwischensprints.
Organisationen wollen überleben. Sie wollen oder müssen daher besser und ertragreicher werden. Es geht immer um Weltmeisterschaft nur ohne Pause.
Wie arbeiten, denken und empfinden Menschen in den Organisationen im Zuge dieser Veränderungen? Wie verhalten sich Organisationen und Führungskräfte, um diese Veränderungen zu unterstützen?

Teil 2

Wenn Change-Projekte gestartet werden, gibt es für gewöhnlich zwei wichtige Bewegungen: weg von einer Situation, die als verbesserungswürdig oder gar als nicht mehr erträglich empfunden wird, und hin zu einer optimierten nahen oder fernen Zukunft, in dem das Problem der Gegenwart in neuem Licht erscheint oder idealerweise ganz verschwunden ist. Was heißt es, Menschen auf dieser Reise aus der Gegenwart in die Zukunft in lösungsorientierter Weise zu begleiten? Wie erfinden sich Menschen eine neue Zukunft? Geht das überhaupt? Oder bleiben wir – als Individuen und als Organisationen – doch letztlich immer unseren alten Problemmustern treu und hängen ihnen nur neue Begrifflichkeiten und Beschreibungen um? Im Vortrag wollen wir auf Beispiele aus der Praxis schauen und die Gründe, warum es sich lohnt, an die Kraft der Veränderung zu glauben. 

Erich Karnicnik

Kaufmann und Diplom-Psychologe mit Zusatzausbildungen zum Kommunikations- und Verhaltenstrainer und Coach. Insgesamt 40 Jahren Berufserfahrung in unterschiedlichen Branchen: öffentlich-rechtlicher und privater Rundfunk, in öffentlichen Schulen und im Konzernstab eines internationalen Unternehmens der Elektroindustrie. Coaching und Beratung von Organisationseinheiten, Teams und einzelnen Führungskräften. Zahlreiche Vorträge zu den Themen Führung und Organisationsentwicklung.  

Dr. Niklas Gaupp

Promotion mit einer Arbeit zu Niklas Luhmanns sozialer Systemtheorie an der Universität Oxford. Ausbildungen in systemischer Beratung und Generativem Coaching in Berlin, Wien und Kalifornien. Seit 2017 Berater für die Themen Change und Leadership bei KPMG / Heitger Consulting in Wien. Beratungsschwerpunkte: Innovation, Digitale Transformation, Public Sector. 

„Für das Leben lernen“ – was bedeutet das im digitalen Zeitalter? Wie bereitet Schule heute auf das Leben vor? 

Statt Geschichtsdaten zu pauken, lernen Schülerinnen und Schüler idealerweise, wie sie Informationen suchen, verarbeiten und aufbewahren können. Statt einfach nur Wissen zu konsumieren, analysieren und reflektieren sie ihre Suchergebnisse und produzieren daraus eigene (digitale) Inhalte. In vielen Schulen sind diese Prinzipien schon Alltag, andere sind noch auf dem Weg dorthin. Die digitale Welt verlangt von allen Beteiligten, dass sie sich in einer unaufhörlichen Flut aus Information und Kommunikation, aus technologischem Wandel und zunehmender Automatisierung selbständig zurechtfinden.

Je flexibler und souveräner wir das schaffen, desto erfolgreicher werden wir sein und desto besser können wir uns auch schützen. Wie kann die Schule aber Kinder und Jugendliche darauf vorbereiten? Sicher nicht mit Handyverbot und Digitaldiät. Aber eben auch nicht mit digitalem Dauer-Entertainment. Mein Eindruck ist, dass wir als Gesellschaft auf die digitale Transformation derzeit keineswegs vorbereitet sind. Eine Balance zwischen Abgrenzung und Mitgestaltung zu finden – das fällt zur Zeit nicht nur Lehrkräften schwer. Aus meinem Arbeitsalltag heraus nenne ich einige Beispiele für die Herausforderungen im digitalen Strom der Zeit. Daraus lassen sich Idee für die Schule ableiten, die ich gerne mit den Zuhörern teilen und diskutieren möchte. »

Cornelia Schneider-Pungs

studierte englische und italienische Literatur- und Sprachwissenschaft in Hannover, Bologna und Göttingen. Als Lehrkraft an einer Gesamtschule sammelte sie Praxiserfahrungen im Lehren mit digitalen Mitteln und war gleichzeitig in der Medienberatung aktiv. 2015 wechselte sie ans Niedersächsische Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung und schließlich ans Niedersächsische Kultusministerium. Dort war Sie als persönliche Referentin des Ministers tätig, bevor sie das Interesse für’s Digitale 2018 zu Microsoft ins Education Team führte. Als Learning&Development Managerin leitet sie ein kleines Vertriebsteam und ist für die fachliche Beratung und Fortbildung zuständig.